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Europaspiele – aber wieso?

Europaspiele – aber wieso?

Manch einer wird sich zuletzt in der Berichterstattung sicher über einen noch recht unbekannten Namen im Sportwettkampf gewundert haben. Die Europaspiele oder European Sport Games finden Ende Juni 2015 zum ersten Mal beim einzigen Bewerber in Baku (Aserbaidschan) statt. Aber was sind eigentlich die Europaspiele?

Olympia, das kennt jedes Kind. Spitzenathleten aus aller Welt treten gegeneinander an und kämpfen um Jahresbestzeiten, Weltrekorde und schreiben Geschichte in ihren Sportarten. Der Wettkampf hat eine lange Tradition und eine spannende Historie. Der Olymp ist der Berg der Götter, nicht selten hat man die Sportler für eine Art Halbgötter gehalten, die schier unmenschliche Leistungen zu bringen im Stande waren. Mit der Zeit wandelte sich auch diese Sportveranstaltung und wurde nicht zuletzt durch Dopingmissbrauch und politische Einflussnahme zeitweise eine sehr irdische Veranstaltung. Die große Bedeutung ist diesem Wettkampf jedoch nicht zu nehmen. Neben den klassischen Sportarten der Antike kamen über die Jahre immer neue, spannende Sportarten hinzu. Schließlich erfolgte die Aufteilung in Sommer- und Winterolympiade, um den verschiedenen Sportarten gerecht zu werden. Diese findet außerdem nur aller 4 Jahre statt, es gibt also eine lange Vorfreude auf die nächste Veranstaltung, die stets etwas besonderes ist. Aber das könnte sich demnächst ändern.

Mit der Einführung der Europaspiele sucht man freilich nach Wegen die bisherigen Sportarten weiter zu vermarkten. Fernsehgelder fließen, Chips und Bier werden auf Vorrat gekauft. Der Sportfan ist bereit. Die Einführung ist zwar keine sportliche Revolution, sondern nur die Weiterentwicklung bereits vorhandener Formate auf anderen Kontinenten, wie der Asien- oder Afrikaspiele. Trotzdem wirkt die Neueinführung zuweilen wie das Ausquetschen der bereits halb vertrockneten Zitrone. Immer mehr Sportarten, mehr Formate, mehr Spiele mit der Hoffnung auf weitere Fernsehgelder und Fernsehminuten.

Zwar können dadurch auch sicherlich viele Sportarten profitieren, es stellt sich nur die Frage wie der Profit im Einzelnen aussieht. So manchen Spitzensportler sucht man auf der diesjährigen Veranstaltung vergebens. Was bedeutet es also, wenn die Besten der Besten die Veranstaltung nicht sonderlich ernst nehmen? Was ist also der Goldmedaillengewinner – the best of the rest?  Das zu behaupten ist wahrscheinlich nicht ganz fair, auffällig ist aber der Trend nach einer Aufweichung der Bedeutung von Veranstaltungen, Finals und Medaillen, wenn die eigentlichen Besten keine Zeit oder keine Lust haben oder durch die stetige Überbelastung verletzt sind. Eine offizielle Europameisterschaft gibt es zumeist schon, diese findet z.B. in der Leichtathletik 2016 in Amsterdam statt. Zwar werden die European Sport Games sicherlich anschließend als Erfolg gefeiert, insgeheim bleibt aber ein fader Beigeschmack.

Der einzige Vorteil dieses Überangebots an Sportkonsum, ist die bereits stattfindende, langsame Abkehr von Sportarten, deren Sportler bald von Ihrem Jahresgehalt ganze Städte kaufen können und die der einzelne Zuschauer mit finanziert. Stattdessen beginnt eine Bewegung hin zu anderen begeisternden Sportarten, ohne Fernsehteams, ohne volle Stadien, aber dafür mit viel Schweiß und Herzblut. Hin zum Blick über den Tellerrand, der kurzen, irritierten Frage nach den Regeln, die man vielleicht nicht alle kennt. Hin zum selbst Ausprobieren und Staunen, dem Entdecken neuer Sportarten und Möglichkeiten, sich fit zu halten und auszutoben.
Sport frei!

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