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Der Sport und das liebe Geld

Der Sport und das liebe Geld

Kaum eine Nachricht hat in den letzten Wochen für mehr Aufruhr in der Sportwelt gesorgt, als der Wechsel eines jungen brasilianischen Fussballspielers zu Paris St. Germain. Es geht dabei nicht nur um die höchste Summe, die jeweils für einen Fussballspieler bezahlt wurde, der bisherige Rekord wurde sogar förmlich pulverisiert.

Die Zahl von 222 Mio € wirkt so unwirklich, dass man sie schon gar nicht mehr ernst nehmen kann. Mit dem Kauf von nur einem Bein wäre der Transferrekord bereits gefallen, aber Paris wollte direkt beide Beine von Neymar Jr. erwerben. Ein Magazin hat ausgerechnet, dass man für das Geld über 8500 Krankenschwestern ein Jahr anstellen könnte. Und damit sind wir bereits am wichtigsten Punkt, der gesellschaftlichen Verträglichkeit solcher Unsummen für das reine Vergnügen von ein paar Fans und vor allem der Sponsoren, gegenüber der tagtäglichen Anstrengung von Millionen anderer Menschen, den restlichen 99%.

Dieser Transfer zeigt aber auch dem letzten Fussballromantiker, dass es im Profisport bei niemandem (mehr) um Traditionen und Werte geht, zumindest nicht bevor Kassensturz gemacht wurde. Es ist Turbokapitalismus in Reinform, den man nicht aus diesem Grund zwingend ablehnen muss, aber man muss ihn ins Verhältnis setzen zu dem wirklichen Leben. Man muss sich bewusst sein, dass man mit jedem Abo für Bezahlfernsehen und mit jeder Stadionwurst dieses System wie es heute ist, unterstützt, einer Art Parallelwelt zum echten Leben. Wieso jubelt man noch Spielern zu, die sich morgen wieder verabschieden? Wieso fiebert man noch im Spiel mit, wenn das scheinbar Wichtigste in der Halbzeitpause stattfindet, gesponsert von Ihrem Lieblingsshoppingcenter.

Dass es trotzdem noch echte Menschen in diesem Business gibt, zeigen immer wieder Initiativen von Spitzensportlern, für so manchen Spendenaufruf oder die Common Goal Kampagne, in der Profifussballer 1% Ihres Gehaltes spenden sollen. Alleine diese mageren 1% sind allerdings ein Milliardenmarkt, der extrem viel bewegen könnte.

Der Fussball muss in den nächsten Jahren extrem gut aufpassen, dass er nicht seine Verbindung zur Basis, dem Amateursport und den Fans, verliert. Eine attraktive Alternative ist es, sich in Zukunft vielleicht öfter mal beim Amateurverein blicken lassen oder in einer der zahlreich vorhanden Randsportarten, wie Tischtennis, Floorball oder Rudern vorbeizuschauen, bei denen die Sportler noch hauptsächlich angetrieben werden vom eigenen Erfolg und vom Miteinander innerhalb der Gruppe.

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